430 tödliche Arbeitsunfälle - Großer Handlungsbedarf im Arbeitsschutz

Aktualisiert: Feb 20

Ein 19-jähriger Auszubildender steht an einer vollautomatischen computergesteuerten Glaskantenmaschine. Er verrichtet seine Arbeit. Er beugt sich über die Maschine. Ein schwerwiegender Fehler. Der Auszubildende wird in die Maschine eingezogen [1]. Für den jungen Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Er erliegt seinen Verletzungen und stirbt. Ein Szenario, wie aus dem Drehbuch eines Präventionsfilmes. Leider ist dieser tödliche Arbeitsunfall aus dem Jahre 2010 real. Ein Beispiel für die jährlich 430 Arbeitsunfälle mit tödlichem Ausgang [2]. Ein tödlicher Arbeitsunfall hat nicht nur schwerwiegende Folgen für Familie und Freunde des Verunfallten. Die Kollegen stehen unter Schock. Betroffenheit und Trauer ist in allen Unternehmensbereichen wahrnehmbar. Die Produktionsmaschine steht still. Polizei und Staatsanwaltschaft nehmen die Ermittlungen auf. Ist die Ursache des Arbeitsunfalls im Fehlverhalten des Mitarbeiters begründet oder liegt doch ein Organisationsverschulden seitens des Unternehmens vor? Bei einem Organisationsverschulden durch das Unternehmen drohen dem Geschäftsführer und ggf. weiteren Führungskräften rechtliche Konsequenzen. In Abhängigkeit zur Schwere kann dies eine Ordnungswidrigkeit, oder ein Straftatbestand sein [3] [4]. Im Falle des 19-jährigen Auszubildenden wurden u. a. die Geschäftsführer zu jeweils sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung mit einer Geldauflage in Höhe von 100.000 Euro verurteilt. Der Richter erläuterte sein Urteil u. a. damit, dass die Geschäftsführer zur Einsparung von Kosten die Entfernung einer Lichtschranke angeordnet hatten.


Die Beschäftigten müssen an ihren Arbeitsplätzen sicher und gesund arbeiten können. Die Verantwortung hierfür besitzt der Geschäftsführer. Seit dem Jahr 1996 besteht innerhalb von Deutschland die Pflicht zur Erstellung und Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen. Diese Pflicht gilt nicht nur für Maschinen, sondern beispielsweise auch für die Arbeit mit Gefahrstoffen oder an Bildschirmarbeitsplätzen. Der Arbeitgeber hat somit sicherzustellen, dass alle Arbeitsplätze und Tätigkeiten auf Gefährdungen analysiert und bewertet werden. Sind Schutzmaßnahmen erforderlich, ist das STOP-Prinzip umzusetzen. Das STOP-Prinzip beschreibt die Priorisierung von Schutzmaßnahmen im Arbeitsschutz.





Die höchste Schutzmaßnahmenstufe ist die Substitution. Sie wird auch als Primärschutz bezeichnet. Das Ziel der Substitution ist die Entfernung der Gefährdungen aus dem Arbeitsbereich der Beschäftigten. Der Primärschutz ist grundsätzlich allen anderen Schutzmaßnahmen vorzuziehen.


Anwendungsbeispiele

  • Bei der Verwendung von krebserzeugenden Stoffen muss regelmäßig eine Überprüfung nach alternativen Stoffen durchgeführt werden

  • Es wird eine Verpackungsanlage mit Druckluft-Technik anstelle heißer Oberflächen-Technik eingesetzt


Die zweite Maßnahmenkategorie sind die technischen Maßnahmen, auch Sekundärschutz genannt. Das Ziel der technischen Schutzmaßnahmen ist das verhindern bzw. vermindern von Gefährdungen direkt oder unmittelbar an der Quelle.


Anwendungsbeispiele

  • Absaugeinrichtungen bei der Arbeit mit entzündlichen Gefahrstoffen

  • Trennendes Schutzgitter zum Eingriffsschutz vor rotierenden Wellen


Die dritte Maßnahmenkategorie enthält die organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen, auch als Tertiärschutz bezeichnet. Das Ziel dieser Maßnahmen ist die Reduzierung der Einwirkung einer Gefährdung auf den Beschäftigten.


Anwendungsbeispiele

  • Nutzung von dichtschließenden Schutzbrillen bei der Arbeit mit Gefahrstoffen

  • Zeitlich eingeschränkter Aufenthalt in Lärmbereichen

  • Unterweisung von Beschäftigten im Umgang mit Arbeitsmitteln oder Gefahrstoffen

  • Erstellung und Veröffentlichung von Betriebsanweisungen


Der verhaltensorientierte Arbeitsschutz ist ebenfalls Teil des Tertiärschutzes. Hierdurch kann durch einige Unternehmen der riesige Hebel von verhaltensorientierten Maßnahmen verkannt werden. Unter Beachtung der Statistik über die Ursachen von Arbeitsunfällen wird die Relevanz jedoch umso deutlicher. 90 Prozent aller Arbeitsunfälle entstehen durch menschliches Fehlverhalten. Es ist hier zielführend parallel zu den Gefährdungsbeurteilungen an der Fortentwicklung der Sicherheitskultur zu arbeiten. Nur auf diesem Wege werden die Arbeitsunfälle und unsicheren Situationen in Unternehmen nachhaltig reduziert bzw. vermieden.

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Zusammengefasst müssen Geschäftsführer und Führungskräfte mindestens die rechtlichen Anforderungen erfüllen. Hierzu gehört u. a. Gefährdungsbeurteilungen sachgerecht zu erstellen und Maßnahmen umzusetzen. Wenn ein Unternehmen jedoch auf dem Spielfeld einen Heimsieg einfahren möchte, ist der verhaltensorientierte Arbeitsschutz von hoher Relevanz. Nur durch die Steigerung des Sicherheitsbewusstseins bekommen die Stürmer genügend Energie und Überzeugung und holen den Sieg nach Hause.


Weil Sicherheit beim Bewusstsein beginnt.


Quellenangaben:

[1] Wilrich, Prof. Dr. Thomas (2018): Ein tödlicher Arbeitsunfall und die Folgen. Sicherheitsingenieur. Ausgabe 07/2018

[2] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2020): Vorläufige Unfallzahlen 2018. https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/vorlaeufige_zahlen/allgemeine-uv/index.jsp (Sichtung 13.02.2020)

[3] http://www.arbeitsrecht-ratgeber.de/arbeitsrecht/abwicklung/arbeitsunfall.html (Stand: 13.02.2020, 12:30 Uhr)

[4] Bundestag (2015): Betriebssicherheitsverordnung. Seite 20


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