Ad hoc Home Office durch Coronavirus - Arbeitsschutz bei Dir zu Hause

Aktualisiert: März 31

Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt für einen erheblichen Anstieg von Beschäftigten im Home Office. Mittlerweile ist nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom fast jeder zweite Beschäftigte in Teil- oder Vollzeit im Home Office tätig. Vor wenigen Wochen war dieser Zustand für viele Arbeitgeber noch nicht vorstellbar. Daher bestehen bei diesen Arbeitgebern noch viele Fragen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen des Arbeitsschutzes. Arbeitgeber müssen sich über die räumlichen und technischen Anforderungen sowie den Versicherungsschutz informieren.



Versicherungsschutz

§2 Abs. 1 Ziff. 1 Sozialgesetzbuch VII regelt, dass für Beschäftigte im Home Office der gleiche Versicherungsschutz gilt, wie vor Ort im Unternehmen. Die Berufsgenossenschaft bzw. Unfallkasse sichert den Beschäftigten im Falle von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ab. Auch der direkte Weg von der Wohnung zur vereinbarten Arbeitsstätte sowie der Rückweg sind versichert.


Grundsätzlich ist eine Trennung zwischen einer versicherten und einer nicht versicherten Tätigkeit im Home Office schwieriger, als im Unternehmen. Im Grundsatz gilt auch hier: Alle Arbeiten mit einem Arbeitsauftrag des Arbeitgebers sind versichert. Eigennützige Tätigkeiten, wie z. B. die Nahrungsaufnahme oder die Toilettennutzung sind nicht versichert.


Das Bundessozialgericht hat mit seinem Urteil vom 28.11.2018 beispielsweise ein Statement zum Nutzen von Treppen im Haus formuliert. Auf dem Weg zum Arbeitsplatz im Keller ihres Hauses stürzte die Beschäftigte die Treppe herunter. Hierbei zog sie sich eine Verletzung der Wirbelsäule zu. Das Bundessozialgericht sah hier einen Arbeitsunfall. Die Argumentation lautete zusammengefasst, wie folgt:


1. Es handelte sich bei dem Haus um den vertraglich vereinbarten Arbeitsort der Beschäftigten


2. Der Weg in den Keller wurde auf Grund einer dienstlichen Weisung des Geschäftsführers durchgeführt. Es sollte ein Telefonat erfolgen.


3. Das Telefonat mit dem Geschäftsführer war eine Aufgabe im Interesse des Unternehmens.



Räumliche und technische Anforderungen


Der Arbeitsplatz innerhalb der eigenen vier Wände hat die gleichen Anforderungen zu erfüllen, wie der Arbeitsplatz im Unternehmen. Der Arbeitgeber ist für die Einrichtung des Arbeitsplatzes verantwortlich. Sollte ein Beschäftigter bereits einen geeigneten Arbeitsplatz besitzen und keinen neuen Raum für das Home Office nutzen wollen, sind keine Neubeschaffungen seitens des Arbeitgebers notwendig. Er muss jedoch Verbrauchsmaterialien zur Verfügung stellen. Hierunter werden beispielsweise Druckerpatronen verstanden.


Der Home Office Arbeitsbereich des Beschäftigten muss über eine Mindestfläche von 8m² bis 10m² verfügen. Hierin enthalten sind bereits die Stellflächen für Möbel sowie die erforderlichen Bewegungsflächen. Solange der Arbeitsbereich eine Raumfläche von 50qm nicht übersteigt, ist eine Raumhöhe von 2,50m ausreichend. Grundlegend gilt, dass pro Beschäftigter im Raum ein Raumvolumen von 12m³ vorhanden sein muss.


Die Bewegungsfläche am Schreibtisch muss mindestens 1,50m² betragen. In der Regel ist bei Home Office Tätigkeiten mit überwiegend sitzenden Tätigkeiten zu rechnen. Hieraus ergibt sich vor dem Schreibtisch eine notwendige freie Bewegungsfläche von 1,00m Breite und 1,00m Tiefe.


Für Schreibtische gelten ebenfalls Anforderungen. Der Schreibtisch muss mindestens eine Länge von 1,60m sowie eine Tiefe von 80cm bei einer Höhe von 0,74m (+/- 0,20m) besitzen. Die Oberfläche des Schreibtisches darf nicht reflektieren. Die Tiefe der Benutzeroberfläche ist mindestens 1,00m. Der Beschäftigte darf bei der Arbeit an seinem Schreibtisch nicht direkt aus dem Fenster schauen oder das Fenster im Rücken haben. Hierdurch werden langfristige Schäden der Augen durch einfallendes Licht verhindert. Ist dies nicht möglich, kann beispielsweise mit Rollos gearbeitet werden.


Der Bürostuhl sollte den ergonomischen Anforderungen entsprechen. Ein dynamisches Sitzen ist zur Vermeidung von Rückenerkrankungen erforderlich. Hierzu benötigt der Bürostuhl eine neigbare Rückenlehne. Der Stuhl selbst sollte höhen- und drehverstellbar sein. Durch mind. 5 Rollen besteht Standsicherheit des Bürostuhls.




Am Arbeitsplatz muss ausreichend Tageslicht vorhanden sein. Grundsätzlich muss eine Beleuchtungsstärke von 500 Lux sowie eine Farbwiedergabe von 50Ra vorhanden sein. Kann dies nicht durch vorhandene Fenster sichergestellt werden, ist eine künstliche Beleuchtung möglich. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Leuchtmittel eine Farbe besitzen und nicht flackern.


Die Raumtemperatur im heimischen Büro sollten zwischen 20 Grad und 22 Grad liegen. Ein Erreichen von 30 Grad ist zu vermeiden. Ansonsten müssen alternative Maßnahmen entwickelt werden. Weiterhin ist darauf zu achten, dass am Arbeitsplatz keine Zugluft vorherrscht.


Die Einhaltung der Arbeitszeit gilt auch im Home Office. Entsprechend §3 Satz 1 des Arbeitszeitgesetzes darf die werktägliche Arbeitszeit der Beschäftigten acht Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung der Arbeitszeit kann werktags auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden nicht überschritten werden. Diese Möglichkeit ergibt sich aus §3 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz.


Den Beschäftigten im Home Office muss durch den Arbeitgeber ein Angebot zur Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge nach dem Grundsatz G37 gemacht werden. Hierbei wird der Zustand der Augen des Beschäftigten untersucht. Diese Untersuchung ist dem Beschäftigten anzubieten. Die Teilnahme ist jedoch nicht verpflichtend.


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Zusammenfassung


Der Arbeitgeber besitzt für die Beschäftigten im Home Office die gleichen rechtlichen Vorgaben, wie bei den Beschäftigten vor Ort. Er hat sicherzustellen, dass die rechtlichen Anforderungen des Arbeitsschutzes eingehalten werden. Hierzu dienen auch Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen der Beschäftigten. Es empfiehlt sich, dass der Arbeitgeber eine schriftliche Vereinbarung mit dem Beschäftigten trifft. Hierin sind die jeweiligen Rahmenbedingungen des Home Office zu vereinbaren.

In Zeiten des Coronavirus trifft der „normale“ Arbeitsschutz auf den aktuellen Schutz vor dem Virus. Es gilt derzeit, die Ausbreitung des Virus möglichst stark einzugrenzen. Hierfür schicken viele Arbeitgeber ihre Beschäftigten ins Home Office. In diesen Zeiten kann sicherlich nicht erwartet werden, dass alle Arbeitsbereiche im Home Office den detaillierten Anforderungen entsprechen. Mit der angehängten Checkliste besitzen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zumindest die Möglichkeit, den vorhandenen Ist-Stand einfach und ohne großen Aufwand zu prüfen.


Weil Sicherheit beim Bewusstsein beginnt.


Quellenangaben:

Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (1994): Arbeitszeitgesetz


DGUV (Stand: 16.03.2020): https://www.dguv.de/de/mediencenter/pm/pressemitteilung_385472.jsp


Verwaltung-Berufsgenossenschaft (2018): http://www.vbg.de/SharedDocs/Medien-Center/DE/Broschuere/Themen/Bildschirm_und_Bueroarbeit/Telearbeit.pdf?__blob=publicationFile&v=6


Technische Regeln für Arbeitsstätten (2013): Raumabmessungen und Bewegungsflächen. ASR A1.2


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