Unfälle reduzieren durch Unterweisungen

Aktualisiert: Jan 28

70,2 Millionen Ausfalltage verzeichneten die deutschen Arbeitgeber im Jahre 2017 in Folge von Unfällen. Ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von rund 22,2 Milliarden Euro [1]. Beim Betrachten der Ursachen von Arbeitsunfällen zeichnet sich nach mehreren Jahren ein Trend ab. Rund 90 Prozent aller Arbeitsunfälle entstehen durch menschliches Fehlverhalten [2].


Die Ursache für menschliches Fehlverhalten im Arbeitsschutz ist in der Regel ein nicht ausreichendes Sicherheitsbewusstsein. Somit lassen sich durch die Steigerung des Sicherheitsbewusstseins viele Arbeitsunfälle vermeiden. Ein Instrument für die Schaffung von Sicherheitsbewusstsein sind Schulungen oder Unterweisungen. Rechtlich betrachtet ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Beschäftigten zu unterweisen. Dies ergibt sich beispielhaft aus §12 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).

Wie sieht eigentlich eine Unterweisung in der betrieblichen Praxis aus? Du sitzt in einem kleinen Raum. Schlechte Beleuchtung. Leicht störende Umgebungsgeräusche. Die Führungskräfte öffnet eine Datei auf seinem PC-Desktop. PowerPoint. "Ich weiß die Unterweisung ist sehr trocken", beginnt die Führungskraft ihre 50-seitige Präsentation. "Ich werde mich aber bemühen, dass wir schnell durch sind", ermuntert sie zugleich die Beschäftigten. Bereits nach 20 Folien Frontalvortrag geht ein Gähnen durch die Reihen. Blicke auf Armbanduhren und Smartphones. Tuscheln untereinander. Nach 50 Seiten "Daumenkino" ist es geschafft. Die Unterweisung ist zu Ende. Vielleicht etwas übertrieben dargestellt. Die meisten Führungskräfte stoßen bei Unterweisungen jedoch an ihre persönlichen Grenzen.


Durch lange Frontalvorträge ohne Interaktion verschenken Arbeitgeber einen wichtigen Hebel zur Steigerung des Sicherheitsbewusstseins. Die Wahrscheinlichkeit das die Beschäftigten die sicherheitsrelevanten Informationen behalten, liegt nur bei rund 50 Prozent [3]. Ein viel zu geringer Wert für Themen rund um Sicherheit und Gesundheit von Menschen. Doch wie können Arbeitgeber für eine bessere Unterweisung sorgen?



Allein die Nutzung von aktiven Methoden führt zu einer deutlichen Steigerung der Behaltenswahrscheinlichkeit. In Zahlen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit durch Einbindung der Beschäftigten auf 70 Prozent bis 90 Prozent. Eine aktive Einbindung kann beispielsweise durch Gruppenarbeiten umgesetzt werden. Eine weitere wichtige Stellschraube ist die Wiederholung. Informationen die nicht wiederholt werden, sind bereits nach wenigen Minuten durch den Beschäftigten wieder vergessen [4]. Von daher empfiehlt es sich in den Unterweisungen regelmäßig Wiederholungsfragen zu stellen. Zur Aktivität und Wiederholung gesellen sich Emotionen. Emotionen erreichen Menschen. Emotionen führen zum Verinnerlichen von Erfahrungen und Informationen. Emotionen können durch Storytelling, Videos oder auch nur Musik erzeugt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Terroranschlag am 11.09.2001 in den USA. In der Regel wissen sehr viele Menschen noch heute, was zum Zeitpunkt dieser Information gerade in ihrem Leben passiert ist.


Weil Sicherheit beim Bewusstsein beginnt.


Quellen:

[1] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2019): Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2017

[2] Huber, Andreas (2019): Vom Tun zum Wissen. Verhaltensorientierter Arbeitsschutz. Seite 46.

[3] Ebbinghaus, Hermann (1885): Über das Gedächtnis. Untersuchungen zur experimentellen Psychologie. Druncker & Humblot Verlag

[4] Brodt, Svenja et. al. (2016): Rapid and independent memory formation in the parietal cortex.

[5] Götz, Thomas Prof. Dr. (2017): Emotion, Motivation und selbstregulierends Lernen. Ferdinand Schöningh Verlag. 2. Auflage

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