Wie das Coronavirus dem Arbeitsschutz den Spiegel vorhält

Mit der Schließung von Bildungseinrichtungen sowie der Einführung von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen am 16. bzw. 22. März diesen Jahres begann das Coronavirus massiven Einfluss auf die Menschen und Unternehmen in Deutschland zu nehmen. Eine nicht planbare Herausforderung für Mitarbeiter und Arbeitgeber. In den meisten Unternehmen war der Arbeits- bzw. Infektionsschutz nicht auf eine Pandemie vorbereitet. Mit sinkenden Infektionszahlen sind die öffentlichen Schutzmaßnahmen mittlerweile erheblich reduziert worden. Hochzeitsfeiern mit bis zu 150 Menschen und das Reisen ins Ausland sind wieder möglich. In der Öffentlichkeit erinnern heute nur noch Mund-Nasen-Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie der lästige Zettel zur Kontakt-nachverfolgung im Restaurant daran, dass das Coronavirus noch nicht verschwunden ist. Für Unternehmen gelten andere Anforderungen. Anforderungen, die sich teilweise deutlich von den öffentlichen Regeln abheben. Während beispielsweise in Nordrhein Westfalen Hochzeiten mit 150 Personen in geschlossenen Räumen möglich sind, ist eine Besetzung von Büros mit mehreren Personen nicht so einfach möglich. Diese deutlichen Unterschiede sorgen für Konfliktpotenzial im Unternehmen. Zu Unverständnis bei einigen Mitarbeitern.

Der aktuelle Zustand hält den Unternehmen einen großen Spiegel vor. Ein Spiegelbild, dass gute Aussagen über die Sicherheitskultur im Unter-nehmen zulässt. Es zeigt ebenso deutlich, wie erfolg-reich der Arbeitsschutz in den vergangenen Jahren war. Sind die Menschen im Kopf erreicht worden, oder gilt Arbeitsschutz hinter vorgehaltener Hand weiterhin als lästiges Übel. Werden aktuell Mund-Nasen-Masken nur unzureichend oder falsch getragen. Wird versucht, Regeln bewusst zu umgehen. Dann wurden die Menschen in den letzten Jahren nicht richtig erreicht. Der Arbeitsschutz war nicht erfolgreich genug. Einige Führungskräfte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit werden jetzt Ausreden suchen, warum der Erfolg ausgeblieben ist und wer Schuld hat. Glücklicherweise schauen die meisten Führungskräfte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit jedoch anders in die Zukunft. Sie wollen sich und den Arbeitsschutz weiterentwickeln. Haben Sie diese Menschen in Ihrem Unternehmen? Dann schon einmal herzlichen Glückwünsch. Ihr Unternehmen wird im Arbeitsschutz als Gewinner aus der Coronakrise hervorgehen.


Das Coronavirus bietet dem Arbeitsschutz eine vielleicht einmalige Möglichkeit, sich in Teilen neu zu erfinden. Die große Chance, den Fokus mehr auf den Menschen zu richten. Mehr Empathie und Empowerment anstelle von Regeln in die Köpfe hinein pressen. Die Chance, den Arbeitsschutz für die heutigen und zukünftigen Generationen "cooler" und nachhaltiger zu gestalten. Welche Möglichkeiten haben Unternehmen?


Infotainment

Wir Menschen lernen besser, wenn wir Spaß dabei haben. Doch wie hoch ist der Spaß-Faktor in den meisten Schulungen und Unterweisungen im Arbeitsschutz? Erfahrungs-gemäß hält sich der Spaßpegel manchmal auf dem Niveau einer Beerdigung. Dabei ist Arbeitsschutz doch ein so tolles Thema.

Wir Menschen lernen besser, wenn wir den Sinn dahinter verstehen. Wenn wir unseren persönlichen Mehrwert erkennen. Doch seien wir einmal ehrlich, welchen Mehrwert erkennen wir beim jährlichen E-Lear-ning zu Leitern und Tritte für Büromitarbeiter? Der augenscheinliche Mehrwert geht spätestens im dritten Jahr in Folge gegen Null. Dabei ist Sicherheit ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Warum nutzen wir diese innere Motivation nicht viel besser?

Der Markt der Persönlichkeitsentwicklung ist in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Immer mehr Menschen besuchen TOP-Speaker, wie Tobias Beck, Hermann Scherer oder Alexander Hartmann. Ich selbst besuche auch liebend gerne Veranstaltungen dieser Speaker. Sie sind anders. Sie pressen das Wissen nicht in den Menschen hinein. Sie holen es mehr heraus. Der Arbeitsschutz kann sich von dieser Branche eine Scheibe abschneiden. Nutzen wir im Arbeitsschutz auch das Storytelling, die Super-Learning Methode oder wegen mir auch bunte Luftballons. Wenn wir Schulungen und Unterweisungen im Arbeitsschutz frischer gestalten, persönlichen Mehrwert aufzeigen und Spaß zu lassen, wird Arbeitsschutz nachhaltig und erfolgreicher werden.


Mindset

Die Denkweise bzw. das Mindset von Menschen beeinflusst das Handeln und Tun. Im klassischen Arbeitsschutz werden Menschen nur fachlich belehrt bzw. unterwiesen. Besitzen Menschen negative Glaubenssätze zum Arbeitsschutz, werden konventionelle Belehrungen und Unterweisungen mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Veränderungen bewirken. Wenn Menschen davon überzeugt sind, dass Arbeitsunfälle sowieso passieren, dann muss an den Glaubenssätzen des Menschen gearbeitet werden.

Das Arbeiten an diesen Glaubenssätzen bzw. dem gesamten Mindset ist intensiver als jede konventionelle Belehrung oder Unterweisung. Es wird mehr Empathie benötigt. Über nachweislich erfolgreiche Methoden wird mit den Führungskräften und Mitarbeitern an deren Mindset gear-beitet. Insbesondere bei Führungs-kräften ist Mindset-Arbeit von großer Bedeutung. Sie sind die Vorbilder für Mitarbeiter und haben die Sicherheitskultur in ihrer Hand. Die persönliche Entwicklung von Führungskräften ist somit ein wesentlicher Bestandteil einer guten Sicherheitskultur im Unternehmen.


Digitale Medien

Im Arbeitsschutz gab es bis vor dem Coronavirus nur Offline-Schulungen. Das heißt, Menschen in einem Raum in den belehrt bzw. unterwiesen wurde. Seitdem Coronavirus mit samt seinen Einschränkungen haben sich neue Möglichkeiten ergeben. Hiermit sind ausdrücklich nicht E-Learnings mit vollen Folien und anschließenden Verständnisfragen gemeint. Über die Nachhaltigkeit dieser Methode lässt sich durchaus streiten.

An dieser Stelle sind gut strukturierte und didaktisch wert-volle Webinare und Online-Seminare gemeint. Diese können sowohl fachlichen Input, als auch Persönlichkeitsentwicklung leisten. Mit diesen Online-Aktivitäten besteht eine gute Alternative zu einigen Offline-Veranstaltungen.


Insbesondere im Bereich Coaching hat sich in Zeiten der Coronakrise einiges verändert und wird sicherlich auch so bleiben. Online-Coachings bieten für alle Beteiligten Vorteile. Mehr Flexibilität und zeitliche Ersparungen. Auch im Bereich Arbeitsschutz sollte das Thema Coaching mehr in den Fokus rutschen. Auch hier sind insbesondere Führungskräfte im täglichen Handeln und Tun zu coachen. Nicht zwangsläufig fachlich, sondern viel mehr persönlich.


Verhaltensorientierter Arbeitsschutz

Das Coronavirus zeigt uns, wie wichtig das Bewusstsein von Menschen ist. Das Verhalten der Menschen entscheidet darüber, ob sich das Virus ausbreiten kann, oder nicht. Die letzten Jahre zeigen ein ähnliches Bild im Arbeitsschutz. Rund 90 Prozent aller Arbeitsunfälle sind verhaltensbedingt. Dennoch setzen viele Unternehmen noch immer alleinig auf konventionelle Methoden im Arbeitsschutz. Dabei ist der verhaltensorienterte Arbeitsschutz mit der Behavior Based Safety (BBS) Methode die nachweislich erfolgreichste Methode. Durch den Einsatz dieser Methode können in drei bis fünf Jahren bis zu 80 Prozent der Arbeitsunfälle reduziert werden. Wie dieses Ziel erreicht werden kann? In dem Führungskräfte und Mitarbeiter empowert werden. In diesem sie menschlich und fachlich befähigt werden. Im Rahmen der BBS-Methode werden Risiken identifiziert, Beobachtungen durchgeführt, Feedback gegeben, Ziele definiert und Erolge positiv verstärkt. Klingt sehr einfach und ist auch keine "Raketentechnik". Es ist jedoch ein anderer Weg als Ermahnungen und Abmahnungen.


Zusammenfassung

Spätestens seit der Anwesenheit des Coronavirus können Unternehmen erkennen, wie hoch das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter ist. Müssen Maßnahmen zum Infek-tionsschutz vorgeschrieben und kontrolliert werden, oder herrscht ein Bewusstsein für die Maßnahmen und eine gegenseitige Achtsamkeit. Wenn die Sicherheitskultur noch ausbaufähig ist, dann ist jetzt der Zeitpunkt, neue Ideen und Methoden einzuführen. Arbeitsschutz als Infotainment. Mehr Arbeit am Mindset der Führungskräfte und Mitarbeiter. Ein Schwerpunkt auf den verhaltensorientierten Arbeitsschutz. Die Nutzung von digitalen Medien ist eine Option zu der einen oder anderen Anwesenheitsschulung. Die Zeit nach dem Coronavirus wird nicht die Gleiche sein. Es wird viele Veränderungen geben. Auch der Arbeitsschutz muss sich verändern. Jetzt haben Unternehmen die Möglichkeit, sich neu aufzustellen. Mutig und offen für etwas Neues zu sein.

Lassen Sie uns den Mensch wieder mehr in den Fokus rücken. Mit ihm gemeinsam arbeiten und somit Arbeitsschutz erfolgreich machen.


Persönliche Empfehlung

Das WandelWerker Safety Culture Online Programm vereint alle genannten Aspekte zu einem Programm. Mit diesem Programm legen Sie den Grundstein für eine höhere Sicherheitskultur. Für weniger Arbeitsunfälle bzw. mehr sichere Verhaltensweisen. 12 Wochen lang erhalten Sie Video- und Live-Coachings mit zahlreichen Übungen und Motivationen. Nach diesen 12 Wochen kennen Ihre Führungskräfte und Mitarbeiter nicht nur die Inhalte, Sie können auch anwenden. Mehr erfahren Sie hier.


Stefan Ganzke

Geschäftsführer, Trainer und Berater

WandelWerker


38 Ansichten

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