Sicherheitsbeauftragter im Unternehmen: Wirksamer Hebel oder verstaubte Bürokratie?
Sicherheitskultur entsteht nicht dadurch, dass Regeln existieren, sondern dadurch, dass sie im Alltag gelebt werden. Sie zeigt sich im Handeln von Mitarbeitenden und Führungskräften und somit in Entscheidungen, im Ansprechen von Risiken und darin, Verantwortung tatsächlich zu übernehmen.
Sicherheitskultur entsteht nicht dadurch, dass Regeln existieren, sondern dadurch, dass sie im Alltag gelebt werden.
Sie zeigt sich im Handeln von Mitarbeitenden und Führungskräften und somit in Entscheidungen, im Ansprechen von Risiken und darin, Verantwortung tatsächlich zu übernehmen.
Wird Sicherheit zur gemeinsamen Haltung, wächst Vertrauen und genau das trägt langfristig zum Unternehmenserfolg bei.
In vielen Unternehmen funktioniert eine tragfähige Arbeitsschutzorganisation nur dann, wenn alle Beteiligten im Arbeits- und Gesundheitsschutz zusammenarbeiten.
Trotzdem bleibt eine Rolle in der Praxis erstaunlich häufig hinter ihren Möglichkeiten zurück: die Sicherheitsbeauftragten.
Dabei können sie gerade dann besonders wirksam werden, wenn Unternehmen den Schwerpunkt stärker auf eine soziale Kultur des Miteinanders legen und weniger ausschließlich auf formale Regeln.
- Rolle ≠ Wirkung: Sicherheitsbeauftragte zu benennen reicht nicht, denn entscheidend ist ihre Einbindung im Alltag.
- Unklarheit ist der Wachstumshemmer: Viele Führungskräfte kennen Aufgaben und Potenzial nur grob.
- „Übrig geblieben“ kostet Sicherheit: Wenn Sicherheitsbeauftragte nach dem Prinzip „Hauptsache jemand“ ausgewählt werden, statt nach Eignung und Akzeptanz im Team, sinken Einfluss und Wirksamkeit der Rolle von Anfang an.
- Nähe schlägt Formalität: Wirksam sind Sicherheitsbeauftragte, wenn sie im eigenen Tätigkeitsbereich präsent sind, die Abläufe kennen und Risiken direkt vor Ort ansprechen können.
- Kultur statt Checkliste: Sicherheit entsteht durch Ansprechen, Entscheidungen und Verantwortung – nicht durch Papier.
- Sicherheitsbeauftragte entlasten Führung im Alltag: Sie unterstützen bei der Umsetzung, indem sie Risiken ansprechen, auf Mängel hinweisen und die Kolleginnen und Kollegen unterstützen.
Warum steht die Rolle aktuell so im Fokus?
Kaum eine Funktion im Arbeitsschutz wurde in den vergangenen Monaten so kontrovers diskutiert wie diese.
Hintergrund ist ein Vorhaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS): In kleinen Unternehmen soll die Zahl der Sicherheitsbeauftragten reduziert werden, um den Arbeitsschutz effizienter und bürokratieärmer zu gestalten. Vorgesehen ist:
- KMU mit weniger als 50 Beschäftigten: Die Rolle könnte vollständig wegfallen.
- KMU mit weniger als 250 Beschäftigten: Es wäre nur noch ein Sicherheitsbeauftragter im Unternehmen erforderlich.
Nach Schätzungen des BMAS entspräche das einer Verringerung um rund 123.000 Sicherheitsbeauftragte in Deutschland.
Während Arbeitgeberverbände diesen Ansatz begrüßen, kommt Widerspruch aus anderen Richtungen, unter anderem vom VDSI (Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit).
Die Debatte wirft zwei Fragen auf: Wieso kommt es überhaupt dazu? Und warum wird der Nutzen von Sicherheitsbeauftragten im Unternehmen so oft unterschätzt?
Was ist ein Sicherheitsbeauftragter?
Die Verpflichtung zur Bestellung ergibt sich aus § 22 SGB VII sowie aus § 20 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.
Unternehmen mit mehr als 20 regelmäßig Beschäftigten müssen Sicherheitsbeauftragte benennen. Die erforderliche Anzahl richtet sich unter anderem nach:
- der Beschäftigtenzahl,
- den betrieblichen Gefährdungen,
- der räumlich-zeitlichen Nähe zu den Arbeitsplätzen.
Wichtig im rechtlichen Verständnis: Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen dürfen keine Führungskräfte sein.
Es handelt sich um Mitarbeitende, die eine verbindende Rolle zwischen Kolleginnen und Kollegen, Führungskräften und der Fachkraft für Arbeitssicherheit übernehmen.
Eine besondere Herausforderung ist, dass es sich rechtlich um ein Ehrenamt handelt, das meist zusätzlich und unentgeltlich übernommen wird.
Was macht ein Sicherheitsbeauftragter? Aufgaben im Überblick
Zum Kern der Tätigkeit zählen insbesondere:
- Mängel erkennen (technisch, organisatorisch, personenbezogen)
- unsichere Situationen und Zustände ansprechen
- Kolleginnen und Kollegen bei Arbeitsschutzfragen unterstützen
- mitwirken (z. B. bei Unfallanalysen, Begehungen oder Unterweisungen)
Wieso wird das Potenzial eines Sicherheitsbeauftragten im Unternehmen so selten ausgeschöpft?
In vielen Betrieben sind Sicherheitsbeauftragte vorhanden, werden aber nicht so eingebunden, dass sie tatsächlich Wirkung entfalten.
Das deckt sich mit der DGUV-Publikation „Verbesserung der Wirksamkeit von Sicherheitsbeauftragten“ (veröffentlicht im November 2023).
Dort zeigen sich unter anderem folgende Ergebnisse:
51,7 % der befragten Sicherheitsbeauftragten im Unternehmen werden nach eigener Aussage nur selten von Kolleginnen und Kollegen zu Themen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes angesprochen.
47,9 % berichten, dass sie von gefährlichen Situationen häufig zu spät oder gar nicht erfahren.
Auch wenn lediglich 24,8 % angeben, ihre Führungskräfte würden ihre Aufgaben nicht kennen, ergibt sich in der betrieblichen Realität oft ein anderes Bild.
In hunderten Trainings mit Führungskräften wird immer wieder deutlich: Viele wissen nur sehr grob, welche Rolle Sicherheitsbeauftragte in einem wirksamen Arbeitsschutz tatsächlich übernehmen könnten.
Die Folge: Mitunter werden Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen nach dem Muster „Wer hat noch freie Kapazitäten?“ ausgewählt. Gleichzeitig wird oft zu wenig Zeit eingeräumt, um die Aufgabe sinnvoll auszuüben.
Wie werden Sicherheitsbeauftragte wirklich wirksam?
Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen nicht wirksam einzusetzen, ist, als würde man im Champions-League-Finale den besten Stürmer auf die Bank setzen.
Im Sport wäre das undenkbar, im Arbeitsschutz kommt es dennoch vor. Der Weg zu mehr Wirksamkeit beginnt mit klaren Erwartungen an die Rolle.
- Erfahrungsgemäß ist der erste Schritt, dass Management und Führungskräfte ein gemeinsames Verständnis über die rechtlichen Aufgaben entwickeln. Auch wenn Sicherheitsingenieure oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit oft davon ausgehen, dass diese Aufgaben bekannt sind: In vielen Unternehmen sind sie es nicht.
- Steht der rechtliche Rahmen, lohnt sich eine moderierte Ausarbeitung konkreter Erwartungshaltungen an Sicherheitsbeauftragte.
Häufig entsteht dabei eine wichtige Erkenntnis: Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen sind nicht nur ein Instrument zur Rechtskonformität.
Sie können einen echten Beitrag leisten, Führungskräfte entlasten und als Multiplikatoren wirken, auch wenn die rechtliche Verantwortung selbstverständlich weiterhin bei Management und Führung bleibt.
- Auf dieser Basis braucht es ein Anforderungsprofil: Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen sollen Mitarbeitende mitbringen, damit sie die Rolle entlang der Erwartungen ausfüllen können? Dadurch verschiebt sich der Fokus schnell von Quantität hin zur Qualität.
Zum Schluss ist der wertschätzende Rahmen entscheidend: Wertschätzung beginnt bei der Bestellung, zeigt sich in kleinen Benefits und endet ganz praktisch bei der Ressource, die am häufigsten fehlt: Zeit für Sicherheit.
Fazit: Mehr Mitstreiter für gelebten Arbeitsschutz
Wird die Rolle der Sicherheitsbeauftragten im Rahmen einer ganzheitlichen Strategie weiterentwickelt, steigt am Ende die Zahl der Mitstreiter im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Aus Multiplikatoren werden gemeinsam mit Führungskräften und Fachkräften für Arbeitssicherheit weitere Unterstützer.
So entsteht, ergänzt durch gezielte Maßnahmen, ein Kulturwandel hin zu einem gelebten Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Einbindung der Sicherheitsbeauftragten in eine wirksame Sicherheitskultur-Strategie
Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen werden dann richtig wirksam, wenn sie nicht als „zusätzliche Aufgabe am Rand“ laufen, sondern systematisch in die Sicherheitskultur-Strategie eingebettet sind.
Genau hier setzt die Wandelwerker-Methode an: Arbeitsschutz wird als wirksames System verstanden. Ziel ist, dass Sicherheit im Alltag wirklich funktioniert und nicht nur auf dem Papier.
Dafür werden Menschen befähigt, Prozesse nachhaltig verbessert und eine lernende Organisation aufgebaut, die einen offenen Umgang mit Fehlern fördert.
Für Sicherheitsbeauftragte heißt das: klare Rolle im Gesamtbild, klare Schnittstellen und ein stabiler Rahmen, in dem Verhalten im Alltag tatsächlich verändert werden kann.
Damit das gelingt, sollten wir Sicherheitsbeauftragte entlang eines strukturierten Vorgehens verankern:
- Sicherheitskultur-Assessment: Ausgangslage erfassen (Dokumente, Workshops/Begehungen) und daraus eine individuelle Sicherheitskultur-Strategie mit Maßnahmenplan ableiten.
- Commitment sichern: Management und Führung legen Erwartungen, Zeitbudget und Rückendeckung verbindlich fest.
- Umsetzung als Lernschleife: Sicherheitsbeauftragte werden als Multiplikatoren in konkrete Routinen eingebunden (z. B. Safety Walks, Unfall-/Beinaheunfall-Lernen, kurze Sicherheitsdialoge).
- Koordination statt Aktionismus: Regelmäßige Abstimmungen zwischen Führung, Sifa und Sicherheitsbeauftragten – mit Fokus auf wirksame, verhaltensbasierte Maßnahmen statt auf „mehr Aktivitäten“.
So entsteht durch die Arbeit der Sicherheitsbeauftragten ein kulturbasiertes, tragfähiges System.
Wandelwerker unterstützt Sie: Sicherheitskultur systematisch weiterentwickeln
Sie haben Sicherheitsbeauftragte „auf dem Papier“, aber in der Praxis fehlt die Wirkung? Als deutscher Marktführer im Bereich der Sicherheitskultur-Entwicklung unterstützt die WandelWerker Consulting GmbH produzierende und produktionsnahe Unternehmen dabei, Strukturen zu schaffen, in denen Sicherheit gelebt und nicht nur gefordert wird.
Typische Herausforderungen, die wir gemeinsam lösen:
- stagnierende oder steigende Unfallzahlen
- Arbeitsunfälle, Beinaheunfälle und unsichere Situationen werden kaum gemeldet
- Führungskräfte delegieren viele Aufgaben und tolerieren unsicheres Handeln
- Mitarbeiter arbeiten immer wieder unsicher
- Arbeitsschutzorganisation wird nicht gelebt
Wenn Sie als Geschäftsführer, Führungskraft oder Fachkraft für Arbeitssicherheit mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.
Buchen Sie Ihr unverbindliches Erstgespräch und starten Sie mit einem individuellen Maßnahmenplan für die systematische Weiterentwicklung Ihrer Sicherheitskultur.
FAQ
Welche Aufgaben hat ein Sicherheitsbeauftragter im Unternehmen?
Sicherheitsbeauftragte erkennen technische, organisatorische und personenbezogene Mängel und sprechen unsichere Situationen präventiv an. Sie unterstützen Kolleginnen und Kollegen bei Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz und wirken z. B. bei Begehungen, Unterweisungen oder Unfallanalysen mit.
Ist die Rolle des Sicherheitsbeauftragten noch zeitgemäß?
Ja, gerade wenn Unternehmen Sicherheitskultur nicht nur über Regeln, sondern über Verhalten und Haltung stärken wollen. Als Bindeglied zwischen Mitarbeitenden, Führung und Fachkraft für Arbeitssicherheit kann die Rolle Vertrauen fördern, Verantwortung stärken und Führungskräfte im Alltag entlasten.
Mit welchen Herausforderungen sind Sicherheitsbeauftragte konfrontiert?
Oft werden Sicherheitsbeauftragte nicht wirksam eingebunden und erfahren von gefährlichen Situationen zu spät oder gar nicht. Häufig fehlt zudem ein klares Erwartungsbild durch Führungskräfte sowie ausreichend Zeit und Wertschätzung, da es rechtlich ein unentgeltliches Ehrenamt ist.
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